Ich bin dann weg

... ob ich zwischendurch ins Netz komme und schreiben kann oder will ... das wird sich zeigen ....


Ahoi bis dahin!
Schreck am Morgen

Der Wecker dudelt schon eine ganze Weile vor sich hin. Das Handy - der zweite Wecker - hat schon mehrmals gebimmelt, doch mit geübtem und zielsicherem Griff wird er immer wieder zum Schweige gebracht.
Wie jeden Morgen döse ich im Halbschlaf, mein Kissen im Arm, träume vor mich hin, rede mit jemandem, der nicht da ist.

Das Bild von gestern zieht an mir vorbei. Fast wären wir zusammen geprallt. Ja, ich hatte es drauf angelegt. Die letzten Wochen, der Gedanke bald lange weg zu sein, ihn nicht zu sehen, nicht sehen zu können, haben mich schon total kirre gemacht. In den letzen Tagen wurde es immer schlimmer. Stundenlang bin ich durch die Gegend. Auf der Lauer. Zunehmend unruhiger. Immer dieses Schild "Letzte Möglichkeit" blinkend vor meinen Augen. Gestern war die allerletzte.

Kein Wort, auch kein Hallo - nachdem ich ja selbst deutlich gemacht hatte, dass ich auf Höflichkeitsfloskeln zwischen uns verzichten kann, wenn er schon nie zu einem klärenden Gespräch bereit war.
Er schleppt die Mitbringsel vom Wochenende zur Wohnung - er hat offensichtlich eine ganze Menge mitgebracht - einen Grill oder Racquelette (wie auch immer das geschrieben wird) auf dem Arm. Schon nach dem letzten Wochenende hatte ich seinen Wagen vollgepackt dort stehen sehen und mich gewundert. Die Bude war immer eine klassische Junggesellen-Bude, die sich nur langsam Stück für Stück etwas füllte und nie wirklich komplett eingerichtet wurde - noch nach einem halben Jahr wurde im Badezimmer gespült, weil in der Küche kein Wasserhahn angeschlossen war. Ich hätte jetzt eher das Gegenteil erwartet, dass er schon Stück für Stück wieder heim bringt, dass langsam die Zeit gekommen ist, zu der er sich hier wieder von dannen machen wollte, zurück in den Westen, zurück in die Heimat, auf zu neuen beruflichen Ufern, weil er den Chef doch so verachtete. Tja, offensichtlich nicht.

Diese Bilder und die Gedanken ziehen im Halbschlaf vorbei, der Blick auf diesen Grill, der so gar nicht in das Bild, in die Wohnung, in das Leben, das ich dort eine kurze Zeit mitbekommen habe, passt, bleibt stehen und will nicht verschwinden.
Beim nächsten Gedanken zucke ich zusammen, will ihn weg schieben, aber er steht da bombenfest, blinkt, leuchtet, schreit. Alles in mir zieht sich zusammen. Mir wird schlecht. Ich renne ins Bad. Würge. Er hat es wahr gemacht. Er hat es doch noch geschafft, sein Ziel erreicht. Eine andere vernünftige Erklärung gibt es nicht dafür.

Das müssen Hochzeitsgeschenke sein!
Herz 11:12h Link   Kommentieren (0 Kommentare)

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